64. Filmfestspiele Cannes

Goldene Palme für TREE OF LIFE, Kisten Dunst als beste Darstellerin ausgezeichnet

Was ist nur in diesem Jahr in Cannes los? Oft liegen Jury und Kritiker mit ihrem Filmgeschmack meilenweit auseinander. Doch diesmal waren die Prioritäten erstaunlich ähnlich. Wir haben jedenfalls noch nie so gut auf die wichtigsten drei Preise getippt: bei „The Tree of Life“ (Bester Film) lagen wir richtig, Kirsten Dunst als beste Schauspielerin („Melancholia“) war unser Tipp. Nur Jean Dujardin als gescheiterten Stummfilm-Star aus „The Artist“ hatte eigentlich niemand auf dem Plan, obwohl der Film einige Kollegen zu Tränen rührte.

 

Unsere Augen wurden feucht, als Kirstin Dunst die Bühne betrat, um sich ihren Preis abzuholen. Was für ein Comeback. Kirsten hatte sich 2008 aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Der Grund: Schwere Depressionen. Nach einer Therapie und Pause von Hollywood feiert sie nun ausgerechnet mit einem Film ihr Comeback, in dem sie eine Frau spielt, die depressiv ist. Allein für diesen Mut hätte sie einen Preis verdient. Darüber hinaus spielt sie die Rolle so grandios – es führte einfach kein Weg an ihr vorbei. Für Kirsten Dunst ging nach dem „Nazi-Skandal“ um ihren Regisseur Lars von Trier eine Achterbahnfahrt mit einem Happy End zu Ende. Die strahlende Gewinnerin: „Was war das für eine Woche für mich! Ich danke der Jury, dass unser Film trotzdem noch im Wettbewerb laufen durfte. Und ich danke Lars dafür, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat vor der Kamera so mutig zu sein“.

 

Besonders freuen wir uns über den Regiepreis für Nicolas Winding Refn, dessen cooler Film Noir „Drive“ mit Ryan Gosling einer unserer Lieblingsfilme war. Außerdem ist Nicolas nicht nur ein netter Kerl, er ist auch einer der talentiertesten neuen Regisseure seiner Generation.

 

Eine Preisverleihung, das sind große Gefühle (Standing Ovations für den Jury-Präsidenten Robert De Niro). Und doch gab es diesmal auch etwas zu Schmunzeln, als nämlich eben dieser Robert De Niro seine Jury auf Französisch vorstellen wollte. Das war irgendwie rührend, aber auch urkomisch zugleich. Denn Robert mag einer der weltbesten Schauspieler sein, an seinem Französisch muss er definitiv noch ein wenig arbeiten. Der skurrilste Moment der diesjährigen Preisverleihung war der Auftritt der Regisseurin Maiwenn (für „Polisse“ mit dem „Preis der Jury“ ausgezeichnet), die eine gefühlte halbe Ewigkeit völlig außer Atem ins Mikrophon abwechselnd hechelte und stöhnte. Jude Laws Gesicht sagte in diesem Moment alles, so etwas hatte selbst er noch nicht gesehen – mehr kann sich eine Stirn einfach nicht runzeln.

 

Wir sagen am Ende glücklich: Danke Cannes! Es war ein schöner Jahrgang, der vierundsechzigste. Wir kommen ganz bestimmt wieder und freuen uns schon aufs kommende Jahr.

 

Die wichtigsten Preise im Überblick :

 

Goldene Palme
THE TREE OF LIFE (Regie: Terrence MALICK)

Beste Darstellerin
Kirsten DUNST in MELANCHOLIA (Regie: Lars VON TRIER)

Bester Darsteller
Jean DUJARDIN in THE ARTIST (Regie: Michel HAZANAVICIUS)

Beste Regie
Nicolas WINDING REFN fßr DRIVE

Grand Prix der Jury
BIR ZAMANLAR ANADOLU'DA (ONCE UPON A TIME IN ANATOLIA), (Regie: Nuri Bilge CEYLAN)
LE GAMIN AU VÉLO (THE KID WITH A BIKE), (Regie: Jean-Pierre et Luc DARDENNE)

Bestes Drehbuch

Joseph CEDAR für HEARAT SHULAYIM (Footnote)

Preis der Jury

POLISSE (POLISS) (Regie: MAÏWENN)

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