64. Filmfestspiele Cannes

64. Filmfestspiele Cannes: Lars von Triers Nazi-Gequatsche hat Konsequenzen

Lars von Triers wirres Nazi-Gequatsche hat Konsequenzen. Auch seine Entschuldigung half nichts mehr. Die Festivalleitung hat den dänischen Regisseur, der seinen Film „Melancholia“ im Wettbewerb präsentieren durfte, zur „persona non grata“ erklärt. Der Regisseur ist somit in Cannes nicht mehr erwünscht. Und zwar mit sofortiger Wirkung. Ein bisher beispielloser Schritt.
 

In der Erklärung des Festival heißt es:“ Das Festival gibt Künstlern ein Forum, um ihre Arbeit zu präsentieren und steht für die Freiheit der Ausdrucks und der Kreation. Das Festival bedauert, dass Lars von Trier dieses Forum benutzte, um Äußerungen von sich zu geben, nicht akzeptabel, nicht tolerierbar und im Gegensatz zu den Idealen der Humanität und Großzügigkeit stehen, die das Festival vertritt. Wir verurteilen die Äußerungen Lars von Triers und erklären ihn mit sofortiger Wirkung zur „persona non grata“.
 

Das Festival teilte nicht mit, ob sein Film aus dem Wettbewerb ausgeschlossen und damit bei der Preisvergabe am Sonntag nicht berücksichtigt wird. Doch es ist wohl kaum vorstellbar, dass die Jury unter Vorsitz von Robert De Niro einen Regisseur auszeichnet, der von der Festivalleitung zur unerwünschten Person erklärt wurde.

Auch Lars von Trier ahnte wohl, dass er diesmal mit seinen Provokationen zu weit gegangen ist. Er ließ gestern Abend über seine Agentur eine Entschuldigung mit folgendem Wortlaut verbreiten: „Wenn ich heute Morgen jemanden durch meine Worte verletzt habe, möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Ich bin weder antisemitisch, habe keine rassistischen Vorurteile, noch bin ich ein Nazi.“

Der 55- jährige Däne, dessen Film „Dancer in the Dark“ im Jahr 2000 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, hätte sich vorher überlegen sollen, was er sagt. Was sollte sein dummes Gequatsche auf der Pressekonferenz von „ich bin ein Nazi“, über „ich verstehe Hitler ein bisschen“, bis zu „Israel ist eine wirkliche Plage“? Er schickte zwar hinterher, dass sei alles ein Witz. Doch mit diesen Äußerungen hat er eine Grenze überschritten. Nazi-Parolen sind in Cannes nicht salonfähig.
 

Pech für Lars von Trier: Gesprächsthema hier in Cannes ist nicht mehr sein hervorragender Film „Melancholia“, sondern seine abstoßenden Äußerungen. So schnell hat sich wohl nur selten ein Regisseur seine Karriere versaut.
 

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