64. Filmfestspiele Cannes
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64. Filmfestspiele Cannes: Lars von Trier provoziert mit Nazi-Parolen
Kein Festival in Cannes ohne einen handfesten Skandal. Der wollte sich in diesem Jahr erst nicht so recht einstellen. Doch nun haben auch die 64. Filmfestspiele ihren Aufreger, der es in die Ausgaben der internationalen Medien geschafft hat. Auf Lars von Trier ist eben immer Verlass.
Was ist passiert? Der als Provokateur bekannte dänische Regisseur Lars von Trier hat mit seinen Sympathiebekundungen für Nazis Befremden bis Kopfschütteln ausgelöst. Nach der Pressevorführung seines neuen Films „Melancholia“, ein Endzeitdrama mit Kristen Dunst und Charlotte Gainsbourg, stellte sich Lars von Trier den Fragen der Journalisten.
Gut gelaunt haut er zunächst Kirsten Dunst in die Pfanne, in dem der selbst lange Zeit an Depressionen leidende Regisseur seine Hauptdarstellerin ebenfalls als depressiv outet. Und er schreibe gerade einen Hardcore-Porno für Kirsten Dunst, weil sie darauf bestehe. Spätestens da gefriert dem Hollywoodstar das gequälte Lächeln auf den Lippen. Doch jetzt dreht Lars von Trier erst so richtig auf.
Auf die Frage nach seinen deutschen Wurzeln antwortet Lars von Trier: „Lange Zeit dachte ich, ich sei jüdischer Abstammung und ich war glücklich, ein Jude zu sein. Aber dann traf ich Susanne Bier (dänische Regisseurin mit jüdischen Wurzeln) und ich war nicht mehr so glücklich. Dann fand ich heraus, dass ich ein Nazi bin. Meine Familie war deutsch. Und das gab mir einige Befriedigung. Was kann ich sagen? Ich verstehe Hitler … ich sympathisiere ein bisschen mit ihm.“ Dann machte von Trier weiter und antwortete auf die Frage, ob sich vorstellen könne, einen Film mit einem größeren Budget zu drehen? „Ja, ich arbeite gerade an einer Endlösung.“ Er beendete seine wirren Äußerungen mit der Bemerkung: „O.K., ich bin ein Nazi.“
Was sollte das? Wirre Äußerungen sind wir von ihm gewohnt. Lars von Trier haut kalkuliert Provokationen raus, um seine Filme zu promoten. Doch diesmal ist er zu weit gegangen. Und er musste sich wohl oder übel entschuldigen. Über seine Presseagentur ließ er mitteilen: „Wenn ich mit meinen Äußerungen heute Morgen auf der Pressekonferenz jemanden verletzt habe, entschuldige ich mich von ganzem Herzen. Ich bin weder antisemitisch, noch rassistisch, noch bin ich ein Nazi.“ Das Festival lässt per Presseerklärung mitteilen, sehr verstört zu sein und fordert Lars von Trier auf, seine Äußerungen zu kommentieren.
Diese Art Provokation hätte der dänische Regisseur gar nicht nötig gehabt. Sein Endzeitdrama “Melancholia“ in betörend schönen Bildern hätte für sich gestanden. Doch nun spricht niemand mehr über seinen Film, sondern nur noch über Lars von Triers peinlichen Ausfall. Da hat sich jemand wohl heftig verkalkuliert …
