64. Filmfestspiele Cannes
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64. Filmfestspiele Cannes: Brad Pitt gibt den intellektuellen Hollywoodstar
Brad Pitt erscheint im weißen Anzug und tiefausgeschnittenem T-Shirt zur Pressekonferenz seines Films „The Tree of Life“. Die Sonnenbrille des Hollywoodstars ist gewöhnungsbedürftig: Das tigergemusterte Gestell hätten wir eher auf der Nase einer alternden Diva erwartet. Doch Brad Pitt hat so viel Gefallen an der Brille gefunden, dass er sie während der gesamten Pressekonferenz nicht ein einziges Mal abnimmt.
Der Film von Regisseur Terrence Malick ist schwere Kinokost. Doch wir können ihn leider nicht fragen, was er uns mit seinem Werk sagen wollte. Normalerweise stehen Regisseure in Cannes den Journalisten Rede und Antwort, doch Terrence Malick zieht es vor, gar nicht erst zur Pressekonferenz zu erscheinen. Er sei zu schüchtern. Einer der Produzenten ergänzt: “Er will den Film nicht erklären. Das Publikum soll ihn als ein Gedicht sehen, in das jeder das hineininterpretieren kann, was ihm passt.“
Und so begibt sich Brad Pitt auf intellektuelles Terrain, um uns einige erklärende Worte zu liefern: „Es würde Tage dauern, Ihnen den kreativen Prozess zu beschreiben, in dem dieser Film entstanden ist. Das Drehbuch ist wundervoll geschrieben, doch Terrence Malick wollte sich nicht sklavisch daran halten. Ihm ging es darum, die Wahrheit zwischen den Zeilen einzufangen. Deshalb fühlt sich der Film auch so frisch an.“ Alles klar? Doch Brad Pitt setzt seinem Versuch einer intellektuellen Erläuterung noch eins drauf: „Dies ist ein universeller Film, Terrence Malick will damit Menschen aus allen Kulturen ansprechen.“ Wir wissen nicht, ob der Mann verstanden hat, was er da von sich gegeben hat. Wir jedenfalls haben verstanden, dass wir nichts verstanden haben. Bisher galt Brad Pitt nicht als geniales philosophisches Mastermind, das hat sich auch mit dem heutigen Tag nicht geändert.
„The Tree of Life“ ist zwei Stunden und 18 Minuten lang, doch wir haben das Gefühl, einer tagelangen Meditation beigewohnt zu haben. Terrence Malick präsentiert in langsamen Bildern atemberaubende Naturaufnahmen, an denen er den Zyklus des Lebens zeigt. In diesen Kreislauf aus Geburt, Leben und Tod ist eine amerikanische Kleinstadtfamilie eingebunden, der Vater Brad Pitt spielt. In Deutschland startet „The Tree of Life“ am 16. Juni.
