64. Filmfestspiele Cannes

Ein Interview mit Robert De Niro ist wie Austern knacken

Ein Interview mit Robert De Niro lässt sich mit dem Öffnen von Austern vergleichen: Er ist mindestens so verschlossen wie die köstliche Meeresfrucht, die sich so schwer knacken lässt. In den Restaurants entlang der Croisette haben die Bediensteten irgendwann den Dreh raus, die Austern mit ihren Messern blitzschnell zu öffnen. Doch das richtige "Austernmesser" für Robert De Niro hat noch kein Journalist gefunden.

In diesem Jahr ist er Vorsitzender der Jury in Cannes und muss sich auf der Pressekonferenz den Fragen der Journalisten stellen. Natürlich wollen die Medienvertreter wissen, nach welchen Kriterien Robert De Niro und seine Juroren (Jude Law, Johnnie To, Uma Thurman, Linn Ullmann, Nansun Shi, Martina Gusman, Olivier Assayas und Mahamat Saleh Haroun) die Filme im Wettbewerb bewerten und die Preise vergeben. Wer intellektuelle Ausführungen erwartet, wird herb enttäuscht. Robert De Niro beantwortet die Frage mit den schlichten Worten, dass er dazu noch nichts sagen könne, schließlich habe er noch keinen einzigen Film gesehen. Diesem Satz schickt er das typisch meckernde Robert De Niro Lachen hinterher. Doch die Journalisten bohren weiter. Was wird er einem Kollegen sagen, der in Cannes leer ausgegangen ist und keinen Preis gewinnt? Robert De Niro antwortet grinsend: "Ich werde ihm sagen, dass er wohl irgendetwas falsch gemacht hat." Wieder meckerndes Lachen. Außer ein paar One-Linern ist aus Robert De Niro nichts herauszubekommen. Wir bleiben ratlos zurück.

Dieses Gefühl haben wir auch nach dem Wettbewerbsfilm "Sleeping Beauty" von Julia Leigh. Es geht um eine junge Studentin namens Lucy ("Emily Browning"), die sich mit verschiedenen Jobs u.a. in Copy-Shops und Kneipen ihr Studium finanziert. Doch dann erhält sie das lukrative Angebot, einem ausgewählten Kreis von alten, stinkreichen Männern halbnackt edle Speisen zu servieren. Weil sie bei den alten Säcken so gut ankommt, steigt sie in dem edlen Callgirl-Ring schnell auf und darf sich nun auch von den Greisenhänden befummeln lassen. Die einzige Regel: Penetration ist verboten. Was soll das? Warum macht eine Frau so einen Film? Und warum hat Emily Brown die Rolle ("Sucker Punch" angenommen? Ein Film, den die Welt nicht braucht.

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