64. Filmfestspiele Cannes

Ganzvolle Eröffnung ohne Präsidentengattin Carla Bruni

Schon Tage vor Beginn der 64. Filmfestspiele in Cannes schien es nur ein Thema in den französischen Gazetten zu geben: Kommt Carla Bruni mit ihrem Präsidenten-Gatten Nikolas Sarkozy im Schlepptau zur Eröffnung? Schließlich hat Altmeister Woody Allen der singenden First Lady eine kleine Rolle in seinem neuem Film "Midnight in Paris" gegeben, mit dem das elftägige Filmfestival an der Côte d'Azur beginnt. Doch Carla Bruni und Nikolas Sarkozy erscheinen nicht auf dem roten Teppich und alle Schaulustigen entlang der Croisette, die einen Blick auf den angeblichen Babybauch der Präsidentengattin erspähen wollen, werden enttäuscht. Umfragen seriöser französischer Medien sagen Sarkozy im anstehenden Präsidentschaftswahlkampf einen Stimmenzuwachs von fünf Prozentpunkten voraus, sollten Bruni und er ein Kind erwarten. Zynische Zeitgenossen spekulieren denn auch schon mindestens über Zwillinge.
 

Carla Bruni spielt in "Midnight in Paris" eine Fremdenführerin, der Woody Allen auch ein paar Sätze Text ins Drehbuch geschrieben hat. Da konnte nicht allzu viel schiefgehen. Woody Allen erzählt, dass er bei einem Frühstück mit den Sarkozys sehr von Carla Brunis Schönheit und Charme angetan gewesen sei und da sei ihm spontan der Gedanke gekommen, ihr eine Rolle in seinem Film anzubieten.
 

"Midnight in Paris" ist ein Hommage an Paris und beginnt mit einer minutenlang Fahrt durch die Stadt entlang aller einschlägigen Sehenswürdigkeiten, Eiffelturm und Moulin Rouge inklusive. Owen Wilson ("Die Hochzeitcrasher") spielt einen Drehbuchautor namens Gil, der von Hollywood die Nase voll hat und lieber in Paris Romane schreiben möchte, so wie einst Ernest Hemingway und Co. Gil fühlt sich im falschen Zeitalter geboren, hätte lieber im Paris der 20er Jahre gelebt. Doch seine Verlobte (Rachel McAdams") und seine künftigen Schwiegereltern halten seine Träume für Spinnereien. Als Gil nachts allein durch die Straßen von Paris wandert, hält plötzlich ein Wagen neben Gil, der ihn auf eine Zeitreise mitnimmt: Plötzlich befindet er sich mit all seinen Idolen, die in den 20er Jahren in Paris lebten, auf einer Party: Zelda und F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway, Salvador Dali.


Ein gelungener Eröffnungsfilm für die Filmfestspeile in Cannes. Die Idee, einen Drehbuchautor in die goldenen 20er Jahre eintauchen zu lassen, hat Charme. Owen Wilson, der bisher eher durch leichte Komödien glänzte, macht seine Sache gut. Doch spätestens nach der vierten Begegnung mit einer Berühmtheit aus den 20er lässt der Überraschungseffekt nach und wir hätten uns statt "name dropping" mehr Substanz in der Geschichte gewünscht.

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