61. Berlinale
61. Berlinale: Drei Bären für iranischen Film NADER AND SIMIN, A SEPERATION
Auch, wenn es zwischendurch reichlich zäh war - auch die 61. Berlinale ist wieder wie im Flug vergangen. Und komischerweise erinnern wir uns in diesem Jahr in erster Linie an die spannenden Menschen, die wir in dieser wunderbar internationalen Kontaktbörse wieder kennengelernt haben, weniger an die Filme. Hängen geblieben ist unser Lieblingserstling "Margin Call" aus der ersten Woche. Der Rest verschwimmt bereits jetzt vor unserem geistigen Auge.
Mit der Verleihung der Berlinale-Bären sind natürlich wieder einmal viele nicht einverstanden. Aber das ist ja gerade das wichtige Spannungselement eines A-Festivals. Die Jury macht am Ende sowieso, was sie will. Und genauso, wie ein Schiedsrichter in einem dramatischen Fußball-Match falsche Elfmeter pfeift, kann man sich jedes Jahr über das Urteil der Jury aufregen. Obwohl Kritiker und Jury diesmal in seltener Eintracht einen gemeinsamen Liebling auserkoren hatten: "Nader And Simin, A Seperation", die Geschichte einer Scheidung im Iran, zwischen den Zeilen hochpolitisch. Der Bären-Regen, mit dem man das Drama dann am Ende bedachte, war allerdings etwas zu viel des Guten. "Bester Film" und dann auch noch "Bestes weibliches Ensemble" (statt bester weiblicher Darstellerin) und der Bär für das "Beste männliche Ensemble" obendrauf? Als ob es da keine Alternativen gegeben hätte. Wenn ein Film als bester des Wettbewerbs ausgezeichnet wird, gehen wir mal davon aus, dass das Ensemble ziemlich gut gewesen sein muss. Warum die Preise also nicht weiter streuen und auch andere gute Filmemacher glücklich machen?
In Berlin folgte man auch in diesem Jahr wieder einer Formel, mit der man sich schon in der Vergangenheit gegen die Festival-Konkurrenz in Cannes und Venedig positioniert hat. Man verteilt die Bären mit politischer Intention. Und so wurden die Berlinale zum Iran-Festival. Die begannen mit der symbolischen Einladung des iranischen Regisseurs Jafar Panahi in die Jury, der in seinem Heimatland inhaftiert wurde und dessen Stuhl wie erwartet leer blieb. Und sie endeten mit dem Triumph des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi, der gerade erst vor zwei Jahren mit dem Silbernen Bären geehrt wurde. Zufällig wurden am selben Tag auch noch die beiden festgehaltenen "Bild am Sonntag"-Reporter aus dem iranischen Kerker entlassen.
Auf Festivals ist es ebenfalls Tradition, die heimische Filmindustrie mit ein oder zwei Preisen zu beglücken - das machen Italiener und Franzosen genauso. Und so durfte sich Ulrich Köhler ("Schlafkrankheit") über den Regie-Bären und der Österreicher Andres Veiel über den Alfred-Bauer-Preis für sein in Deutschland mit deutschen Schauspielern gedrehtes Terroristen-Drama "Wer, wenn nicht Wir" freuen. Letzterer dürfte dann auch neben "Margin Call" das einzige Berlinale-Wettbewerbs-Werk sein, das sich Hoffnung auf eine größere Menge an Zuschauern machen darf. Alles andere wird wie so häufig in der Kategorie "Ambitioniert, aber zu spröde für ein großes Publikum" verschwinden.
Die richtige Mischung aus "populär" und "Kunst" ist in Berlin auch in diesem Jahr wieder misslungen. Da sollte man sich doch mal ein Beispiel an Venedig und Cannes nehmen. Die kriegen das nämlich immer sehr gut hin. Neben der guten Absicht braucht man eben auch einen Preisträger mit etwas Star-Power. Sonst interessiert sich irgendwann außerhalb der um sich selbst kreisenden Blase aus Kritikern, Filmemachern und Cineasten niemand mehr für die Preisträger am Potsdamer Platz. Trotzdem: Schön war's. Denn wer Kino liebt, der muss auch die Berlinale lieben.
