61. Berlinale
MARGIN CALList die erste Ăberraschung der Berlinale
Berlinale-Tagebuch: 3. Tag. Die erste Überraschung des Festivals: Der erste Wettbewerbs-Beitrag MARGIN CALL. Man kann es kaum glauben. Das Meisterwerk mit Zeug zum Klassiker ist ein Debütfilm und wurde von JC Chandor in nur 17 Tagen für 3 Millionen Dollar gedreht. Für Hollywood-Verhältnisse ein Taschengeld. Der Film ist auch das Comeback von Oscarpreisträger Kevin Spacey, der in einem erlesenen Ensemble (Jeremy Irons, Paul Bettany, Demi Moore) eine der besten Rollen seines Lebens spielt.
Jeremy Irons sieht aus, als hätte er auf dem heimatlichen Anwesen noch einmal schnell seine beiden sechzehn Jahre alten Mischlingshunde ausgeführt, um dann direkt in den Flieger nach Berlin springen. Zeit zum Umziehen war offenbar nicht mehr. An den robusten Stiefeln klebt noch ein bisschen Matsch. Den Schal und die XXL-Lederjacke legt Irons auch in den Interviews und später auf dem Roten Teppich nicht ab. "Ich sehe das Filmgeschäft heute wesentlich entspannter, als früher", erzählt er vergnügt im Interview. "Ab einem gewissen Alter, kann man den ganzen Zirkus doch gar nicht mehr Ernst nehmen. Obwohl ich meinen Beruf liebe. Ich gebe aber ganz offen zu, dass ich mindestens drei Filme nur wegen der dicken Gage gemacht habe, weil ich das Geld für die Renovierung meines Schlosses brauchte".
Kevin Spacey wirkt etwas angeschlagen. Kein Wunder. Er ist für seinen Berlinale-Kurztrip in letzter Sekunde aus dem Mittleren Osten eingeflogen, wo er gerade einen Film dreht.
