2. Doha Tribeca Filmfestival

Filmstars auf dem roten Teppich in der Wüste

2. Doha Tribeca Filmfestival. Wir sind in Doha gelandet, der Hauptstadt des Wüstenstaates Katar. Als wir dem Flugzeug (Qatar Airlines) entsteigen, schlägt uns eine Welle heißer Luft entgegen. Hier sind auch abends noch locker 30 Grad! Die hohe Luftfeuchtigkeit lässt jeden Tag zu einem "bad hair day" werden - unsere Haare sehen aus, als hätten wir uns im Selbstversuch eine Heimdauerwelle verpasst.

Wir besuchen in Doha das "2. Doha Tribeca Film Festival". Noch ein Filmfestival im Mittleren Osten? Ähnliche Veranstaltungen gibt es bereits in Dubai und Abu Dhabi, könnte man einwänden. Doch das "Doha Tribeca Filmfestival" legt einen besonderen Fokus auf das arabische Kino und die Förderung einheimischer Filmemacher. Das Festival ins Leben gerufen hat die Landesmutter und "Scheichin" von Katar, Sheikha Al Mayassa bint Hamad Khalifa Al-Thani. Sie hat sich für die Kooperation zwischen dem renommierten "New York Tribeca Filmfestivals" eingesetzt, dessen Mitbegründer unter anderen Robert de Niro und Martin Scorsese sind. Beeindruckend ist das gerade fertiggestellte Festival-Zentrum, zu dem ein Opernhaus und ein mehrere Tausend Plätzen zählendes Amphitheater zählen. Umwerfend! Aber Geld spielt in Katar keine Rolle, die Scheichin möchte die Kultur fördern und so geschieht es. Das Amphitheater wird auch als Freilicht-Kino genutzt und die Bevölkerung kann sich dort einen Teil der Festivalfilme anschauen.

Das Festival wird mit Rachid Boucharebs "Outside the Law" eröffnet, einem historischen Drama über drei algerische Brüder, die für die Unabhängigkeit ihres Landes von der Kolonialmacht Frankreich kämpfen. Der Film lief in diesem Jahr bereits im Wettbewerb von Cannes und hatte dort für hitzige Diskussionen gesorgt. Die ultrarechte Front National hatte Regisseur Rachid Bouchareb vorgeworfen, das Massaker von Sétif (dort hatten am 8. Mai 1945 Franzosen auf algerische Demonstranten geschossen) historisch verzerrt dargestellt zu haben. Diese Diskussionen gibt es in Doha nicht. Der Film kommt beim Publikum gut an und Regisseur Rachid Bouchareb muss auf dem roten Teppich zahlreiche Interviews geben.

Zu den Premierengästen zählen unter anderen Jury-Mitglied Salma Hayek, die indische Regisseurin Mira Nair ("Salam Bombay") und Regisseur Julian Schnabel ("Miral). Gefeiert wird anschließend im exklusiven Club "The Pearl" mit Mezze (arabischen Vorspeisen), von denen wir gar nicht genug bekommen können. Aber auch Asien und Europa sind kulinarisch vertreten mit Nudeln und diversen Curry-Gerichten. Von der Terrasse haben wir einen atemberaubenden Blick auf die Skyline von Doha. Innerhalb von 15 Jahren ist hier ein arabisches Manhattan entstanden - ein Wolkenkratz reiht sich an den anderen. Gut 160 Hochhäuser ragen in den Himmel, 800 sollen es einmal insgesamt werden. Wir fühlen uns wie in einem modernen Märchen aus 1001 Nacht.

Doch auf dem 2. Doha Tribeca Filmfestival werden nicht nur Filme gezeigt, sondern Interessierte haben die Möglichkeit mit Filmgrößen wie Robert De Niro zu sprechen. Dazu bieten die "Doha Talks" Gelegenheit. Die Karten für die Diskussion mit Robert De Niro über seinen neuen Film "Little Fockers"("Meine Frau, unsere Kinder und ich") ist innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Es werden Ausschnitte aus dem Film gezeigt, der in Deutschland am 23. Dezember startet. Humor mag zwar von Kulturkreis zu Kulturkreis unterschiedlich sein, doch im Fall von "Little Fockers" lachen unsere arabischen Kollegen an denselben Stellen genauso schallend wie wir. Robert De Niro erzählt, dass die ersten Kritiken nicht berauschend ausgefallen sind: "Doch je schlechter die Filmbesprechungen, desto besser sind die Einspielergebnisse an der Kinokasse." Als eine Zuhörerin wissen will, warum er nun auch im dritten Teil der "Fockers" mitgespielt hat, antwortet der Hollywood-Star mit einem Augenzwinkern: "Ich habe es für Geld gemacht." Robert De Niro erzählt, dass er Komödien genauso gern mag wie Dramen. Obwohl er nun zum dritten Mal Papa Byrnes gibt, habe er persönlich wenig mit der Filmfigur gemeinsam. Doch das hat einige Zuschauer nicht davon, ihm bitterböse Briefe zu schreiben, was für ein gemeiner Kerl er doch sei, erzählt Robert De Niro. Am Ende der Veranstaltung erhält Robert De Niro lang anhalten Applaus.

Ein weiterer "Doha Talks" beschäftigt sich mit der Frage, wie aus einem aufstrebenden Schauspieler ein Weltstar wird. Robert De Niro ist sicherlich jemand, der nicht nur im westlichen Kulturkreis ein Star ist. Seinen berühmten Satz "Are you talking to me?", den er in "Taxi Driver" spricht, kennt man auch in Katar. Bhuvan Lall, ein Produzent aus Indien, erzählt eine lustige Anekdote über Will Smith. Als der Schauspieler sich vor einiger Zeit in Indien aufhielt und dort eine Runde Golf spielen wollte, wurde er für Michael Jackson gehalten. Gelächter im Publikum. Der ägyptische Produzent Tarak Ben Ammar erzählt, dass er für sein 54 Millionen Dollar teures Projekt "Black Gold" den Geldgebern Stars präsentieren musste, die sie kennen. Uns so spielen der Spanier Antonio Banderas einen Scheich und die Inderin Freida Pinto ("Slumdog Millionär")seine Tochter. Die Geschichte unter der Regie von Jean-Jacques Annaud handelt von der Entdeckung des Öls in den 1930er Jahren in Arabien und und einem jungen Wüsten-Sohn, der die verschiedenen Stämme eint. Eine Art "Lawrence von Arabien" also. Der Film kommt Weihnachten 2011 weltweit in die Kinos, in Deutschland ist Universal Pictures International (UPI) der Verleih. Eine Diskussionsteilnehmerin will wissen, warum nun eine Inderin die Rolle der Prinzessin spielt und keine arabische Schauspielerin. Tarak Ben Ammar sagt, dass er viele arabische Darstellerinnen gecastet hat, aber nicht die passende Besetzung gefunden hat. Aber wenn die Scheika das arabische Kino weiter so fördert, können die örtlichen Filmemacher bald ihre eigenen Geschichten erzählen und mit arabischen Schauspielern besetzen. Wir freuen uns darauf!

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