54. Londoner Filmfestival

54. Londoner Filmfestival: Hat Colin Firth Chancen auf einen Oscar?

54. Londoner Filmfestival. Das Rennen um die Oscars hat begonnen. Auch Colin Firth hat seinen Hut in den Ring geworfen. Mit "Bridget Jones" an der Seite von Renee Zellweger und Hugh Grant hat sich der britische Schauspieler in die Herzen der Komödien-Liebhaber gespielt. Colin Firth konnte sich bereits in diesem Jahr über eine Oscar-Nominierung für seine Leistung in Tom Fords Regie-Debüt "A Single Man" freuen. Die begehrte Trophäe ging dann aber doch nicht an den Briten. Doch nun hat er in dieser Saison wieder gute Chancen auf eine Nominierung. Und vielleicht klappt es ja diesmal. Für die britische Presse ist die Sache schon längst ausgemacht und Colin Firth ihr Favorit für den Oscar als bester Darsteller.

Auf dem 54. London Filmfestival hat das Premierenpublikum "The King's Speech" mit Colin Firth als stotterndem King George VI überschwänglich gefeiert. Als sein Vater, König George V, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stirbt, steht sein Bruder an erster Stelle der Thronfolge. Doch der zieht es vor, die zweimal geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson zu ehelichen und auf die Krone zu verzichten. Ein Skandal. Nun muss der stotternde Bruder (Colin Firth) als neuer König ran. Ein Albtraum. Doch sein australischer Sprachtrainer, hervorragend gespielt von Geoffrey Rush, der auf die Etikette am englischen Hof pfeift, macht ihn fit für öffentliche Auftritte mit langen Reden. Die Briten lieben "The KIng's Speech". In Sachen Königshaus sind sie eben leicht zu begeistern. Da reicht es, dass Colin Firth als König Georg VI flucht, um mit dieser ungewöhnlichen Therapie sein Stottern in den Griff zu bekommen. Als Kontinental-Europäer sind wir etwas befremdet über den Szenen-Applaus. Colin Firth und Geoffrey Rush spielen gut, keine Frage. Aber "The King's Speech" gleich als Film des Jahres zu bezeichnen, wie unsere britischen Kollegen, geht uns dann doch etwas zu weit.

Im Anschluss an die Premiere gibt es eine Party im angesagten St. James Club. Mann reicht uns Champagner und Fingerfood. Es gibt keinen VIP-Bereich, in den sich die Stars verdrücken können. Die Schauspieler des Films stehen wie wir mitten im Gedränge und unterhalten sich mit den Gästen. Colin Firth muss viele Hände schütteln und Glückwünsche für seine Leistung in "The King's Speech" entgegen nehmen. Helena ­Bonham Carter, die im Film "Queen Mum" spielt, erscheint mit ihrem Gatten, Regisseur Tim Burton ("Alice im Wunderland"). Doch er spielt diesmal nur die zweite Geige. Das scheint ihn auch nicht weiter zu stören, er hat es sich in einer Sofa-Ecke gemütlich gemacht und überlässt seiner Frau die Konversation.

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