Hamburger Filmfest
Hamburger Filmfest: Eröffnung mit Brezeln und grünem Teppich
Das Hamburger Filmfest ist eröffnet. Das Premierenpublikum sieht die französische Produktion "Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte". Prominente Gäste wie Regisseur Fatih Akin gehen über den GRÜNEN Teppich. Das haben Sie richtig gelesen! Die Farbe ist etwas gewöhnungsbedürftig. Aber die Festivalmacher haben sich für grün entschieden, weil Hamburg 2011 Umwelthauptstadt Europas ist.
Festivalchef Albert Wiederspiel hält auf der Bühne des Cinemaxx-Kinos in der Innenstadt eine kurze Rede: "Es ist das 18. Filmfest - wir sind jetzt volljährig und erwachsen geworden. Aber ich verspreche: Wir bleiben jung und albern". Einen Seitenhieb gibt es in Richtung Senat: "Um zu Essen braucht man Besteck und um zu leben Kultur. Es geht auch ohne, aber das ist sehr unelegant." Damit meint Wiederspiel die beschlossenen Einsparungen in der Hamburger Kulturpolitik: "Die Zeiten sind so hart. Wir sind so reich und offensichtlich doch so arm. Auch wenn wir diesmal von Kürzungen verschont geblieben sind." Auch das Hamburger Filmfest zeigt sich sparsam. Das sonst so üppige Buffet am Eröffnungsabend entfällt, kündigt Wiederspiel an.
Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) spricht kurz zum Publikum, geht aber nicht auf die Einsparungen in der Kultur ein: "Das Festival ist zu einem internationalen Schaufenster für Spiel- und Dokumentarfilme geworden. Jeder einzelne Film passt zu Hamburg als weltoffener und toleranter Metropole."
Dann sieht das Publikum den Eröffnungsfilm "Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte". Die Filmbiografie über den schillernden Chansonnier Serge Gainsbourg ist der erste Film des Franzosen Joann Sfar, der sich bereits als Comic-Zeichner einen Namen gemacht hat. Der Film kommt gut. Klatschen.
Danach geht es zur Premierenfeier ins Levante-Haus. Und die Ankündigung von Festivalchef Albert Wiederspiel ist leider wahr: Es gibt nur eine Brezel für jeden Gast. Lange Schlangen bilden sich am Wein- und Bierausschank. Die Stimmung ist nicht so ausgelassen wie in den Jahren zuvor. Mit hungrigem Magen lässt sich eben nicht so gut feiern.
Regisseur Joann Sfar freut sich über die vielen Glückwünsche, die ihm die Hamburger Gäste aussprechen, möchte aber die Location wechseln. Die Prokino-Leute, die Joanns Biopic am 14. Oktober in Deutschland in die Kinos bringen, fragen uns, ob wir mitkommen wollen. Zuerst geht's in die "Bernstein Bar" auf St. Pauli. Doch da ist gegen Mitternacht nichts mehr los. Und das in der Weltstadt Hamburg! Das ist uns etwas peinlich. Der Mann lebt in Paris, da ist rund um die Uhr immer etwas los. Wir versuchen es in der "Bar Rossi" in der Schanze. Aber um mittlerweile 1 Uhr nachts sieht der Barkeeper schon ziemlich müde aus. Cocktails und Kaffee gibt es nicht mehr. Ein kurzer Drink, und dann geht's nach Hause. Wir hatten großen Spaß mit Joann Sfar, er ist ein netter Kerl und wir hatten uns viel zu erzählen. Heute treffen wir ihn noch einmal, dann aber zum Interview.
