67. Filmfestspiele Venedig

67. Filmfestpsiele Venedig: Goldener Löwe für Sofia Coppola

Die Preise sind verteilt, die Jury hat ihre Entscheidungen bekannt gegeben. Und natürlich gibt es jede Menge Diskussionen. Aber das hatten wir erwartet. Denn wenn der Vorsitzende der Jury Quentin Tarantino („Pulp Fiction“, „Inglourious Bastards“) heißt, ist nicht mit weichgespülten Konsens-Entscheidungen zu rechnen.

Die heftigsten Reaktionen löst die Entscheidung der Jury aus, Tarantinos Ex-Freundin Sofia Coppola und ihren Film „Somewhere“ mit dem Goldenen Löwen für den besten Film auszuzeichnen. Zwischen Begeisterung und Buhrufen ist alles dabei. Ein Film, der entweder Sympathie oder Antipathie beim Betrachter weckt – dazwischen gibt es offenbar wenig.

Als Tarantino die Bühne der Pressekonferenz betritt, um seine Wahl zu erklären, wird er auch erst einmal richtig schön ausgebuht. Und was macht Tarantino? Er reagiert mit einer obszönen „Selbstbefriedigungs-Geste“. Die Botschaft: Da hohle ich mir einen drauf runter. Oder, etwas feiner formuliert: Ihr könnt mich mal kreuzweise. Nicht besonders Gentleman-like. Aber der Mann hat offensichtlich Narrenfreiheit. Wir fanden es…etwas daneben.

Dann erscheint Sofia Coppola. Wie immer etwas verhuscht und elfenhaft. Aber sie lächelt so glücklich, dass man ihr den Preis doch irgendwie gönnt. Coppola: „Als ich den Anruf bekam und es hieß, wir könnten etwas gewinnen, war ich sehr aufgeregt, genau wie mein Vater. Aber ich habe nie im Leben damit gerechnet, dass ich den Goldenen Löwen für den besten Film bekomme“.

In Coppolas Film geht es um die Öde des Stardaseins hinter der glamourösen Kulisse Hollywoods. Leider ist der Film mit endlos langen Einstellungen mindestens genau so öde. Das soll Stilmittel sein. Macht aber keinen Spaß. Schnarch…

Kann ein Schauspieler, der einen ganzen Film lang keinen einzigen Satz spricht, den Preis als bester Schauspieler erhalten? Ja, das geht! Vincent Gallo spielt in „Essential Killing“ einen Taliban-Kämpfer auf der Flucht. Eine ungewöhnliche Leistung. Und dass, obwohl ihm kein einziges Wort über seine Lippen kommt. Sein Regisseur Jerzy Skolimowski mit gequältem Lächeln: „Ich bin bereit allen Ärger zu vergessen, den ich mit Gallo hatte, denn er liefert eine starke Leistung ab. Als ich den Film noch einmal gesehen habe, mochte ich ihn, obwohl ich den Hauptdarsteller nicht mochte. Und ich frage mich, ob ich ihn nicht mag, weil es Gallo ist, oder weil ich die Rolle so geschrieben habe“.

Vincent Gallo blieb seinem Ruf als anstrengender Kotzbrocken treu und erscheint gar nicht erst zur Verleihung. Ach ja. Der Mann hatte auch noch einen eigenen Film im Wettbewerb. Die meisten Kritiker hassten ihn. Und Gallo ließ sich auch bei seiner eigenen Premiere nicht blicken. Eine glatte Unverschämtheit. Wenn wir Festival-Chef wären, würden wir ihm so etwas jedenfalls nicht durchgehen lassen.

Die Jury hat „Essential Killing“ so beeindruckt, dass der Film von Regisseur Jerzy Skolimowski auch gleich mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wird.

Wir haben viele starke Frauen in den diesjährigen Wettbewerbsbeiträgen gesehen. Bekannte Namen waren darunter wie Natalie Portman oder Cathrine Denauve. Doch die Jury hat den Goldenen Löwen für die beste Schauspielerin an eine unbekannte vergeben. Ihr Name: Ariane Labed erhielt die Auszeichnung für ihre Leistung in „Attenberg“.

Auf jeden Fall wird Quentin Tarantino als Jury- Präsiden in Venedig seine Duftmarke hinterlassen. Denn er überredete Festival-Chef Marco Mueller endlich eine der unsinnigsten Festival-Regeln abzuschaffen: Bislang konnten entweder nur Hauptdarsteller oder Filme mit dem höchsten Preis ausgezeichnet werden. Bester Darsteller aus dem besten Film ging nicht, was vor zwei Jahren zu heftigen Diskussionen um die Preisvergabe an „The Wrestler“ führte. Der wurde bester Film und der arme Mickey Rourke ging leer aus. Nie wieder. Danke Quentin.

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