67. Filmfestspiele Venedig

67. Filmfestspiele in Venedig: Tom Tykwer - flotter Dreier auf dem Lido

Venedig. 67. Filmfestival Venedig. 7.Tag. Um 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Verschlafen kippen wir ein paar Tassen Kaffee hinunter, in der Hoffnung, ein bisschen wacher zu werden. Gerade noch rechtzeitig schaffen wir es in die Frühvorstellung um 08 Uhr 30. Der deutsche Wettbewerbsbeitrag „Drei“ von Tom Tykwer („The International“, „Lola rennt“) läuft. Obwohl wir in letzter Minute kommen, haben wir noch eine gute Auswahl an freien Plätzen. Nur etwa die Hälfte ist besetzt! Entweder ist es einigen Kollegen noch zu früh oder sie sind schon weitergezogen zum Filmfestival nach Toronto, das über die Jahre immer mehr an Bedeutung gewinnt.

In Tom Tykwers Komödie „Drei“ geht es um eine Dreiecksgeschichte. Im Mittelpunkt steht ein Paar um die Vierzig, das in Berlin lebt, und sich neu verliebt. Der Clou an der Geschichte - beide haben sich in denselben Mann (Devid Striesow) verguckt. Und das führt zunächst zu Missstimmungen.

Als der Abspann läuft, applaudiert das Publikum wohlwollend. Anschließend geht’s zur Pressekonferenz. Hier dasselbe Bild, wie im Kino – mehr als die Hälfte der Plätze ist noch frei. Tom Tykwer und seine Darsteller stellen sich den Fragen der Journalisten. Der Regisseur erklärt: „Wir wussten nicht genau, wie dieser Film wird. Wir wussten nur, wie er nicht werden soll.“ Herausgekommen ist keine Komödie zum auf die Schenkel-Klopfen, der Humor in „Drei“ ist subtiler.

Eine italienische Kollegin will von Tom Tykwer wissen, ob seine Dreiecksgeschichte ein Statement sei, dass die herkömmliche Form der Familie am Ende sei? Tom Tykwer antwortet: „Es geht nicht darum, ein Konzept zu verkaufen. Höchstens um eine Bestandsaufnahme. Es gibt längst verschiedene familiäre Strukturen.“

Doch seine Figuren wirken konstruiert, die Geschichte wenig glaubhaft. Tom Tykwer versichert, dass er und seine Darsteller sich während der Dreharbeiten kräftig amüsiert hätten. Immerhin etwas.

Der Pressekonferenzraum füllt sich langsam, zum Beginn der Pressekonferenz von „Barney’s Version“ ist er fast voll. Geht doch! Als Paul Giamatti („Sideways“) den Saal betritt, klatschen die anwesenden Journalisten ausgiebig. Die Tragikomödie kommt gut an beim Publikum. Paul Giamatti spielt einen übergewichtigen Produzenten mit Alkoholproblem, der es trotzdem dreimal schafft, eine Frau zur Ehe zu überreden. Die erste Ehe währt nur kurz. Die Zweite auch, weil er auf der Hochzeitsfeier seine große Liebe kennenlernt, mit der er dann dreißig Jahre verheiratet bleibt. Doch dann lässt seine dritte Ehefrau Barney eine Woche allein. Ein Fehler!

Paul Giamatti spielt diesen sympathischen Kotzbrocken großartig. Genauso glänzt Dustin Hoffman in seiner Rolle, der leider nicht nach Venedig gekommen ist. Paul Giamatti hat italienische Vorfahren und die italienischen Journalisten wollen genauestens wissen, aus welchem Teil Italiens sie stammen. Ein Strahlen auf vielen Gesichtern, als er sagt, ein Teil seiner Verwandtschaft komme aus Neapel. Und ob er das italienische Essen liebe? Der beleibte Paul Giamatti meint grinsend: „Ich mag Essen sehr. Ich liebe auch italienisches Essen.“ Gelächter. Dann will ein italienischer Kollege wissen, ob er bei seiner Hochzeit auf darüber nachgedacht habe, seine Frau sofort wieder zu verlassen. Paul Giamatti hat Humor: „Ach wissen Sie, ich denke ständig darüber nach, mit einer Bedienung durchzubrennen oder sonst irgendetwas zu machen, was man nicht tut. Deshalb liebe ich auch die Schauspielerei so sehr. Ich kann in Rollen schlüpfen und Dinge tun, die ich normalerweise nie tun würde.”

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